Lost World Order-Review in Powermetal.de

Lost World Order-Review in Powermetal.de

Punkte: 8,5/10; Autor: Holger Andrae

Internationaler Thrash aus Bielefeld!

Amüsant, dass ausgerechnet aus dem nicht existierenden Örtchen Bielefeld eine Thrashtruppe stammt, die eine Endzeit-Trilogie veröffentlicht. Nach "Marauders" (2009) und "Parasites" (2012) legt das Quartett LOST WORLD ORDER mit "Tyrants" nun den abschließenden Teil eben jenes Konzeptes vor und lässt den Rezensenten nach dem ersten Durchlauf erstmal mit Maulsperre zurück. Der Grund? Nun, die vier Burschen hinterlassen musikalisch nichts anderes als verbrannte Erde. Das gebotene Material kann jedem internationalen Standard locker standhalten und auch die Produktion drückt jeden Sesselfurzer so richtig tief in die Kissen. Obendrein wird hier sehr viel Wert auf Abwechslung gelegt, pegeln die Songs doch alle Grenzbereiche des Thrash-Genres gekonnt aus, ohne dass man jemals die originelle Note aus den Ohren verliert.

Schon das programmatisch bezeichnete Intro 'Vorwärts!' zeigt, wo der Rammbock hin schlagen will: In die Magengrube. Die anschließende Abrissbirne 'Combat Zone' erfreut das Thrasherherz dann mit zackig-giftigem Riffing und herrlichem Brüllgesang und feisten Gang-Shouts. Superber Einstieg in ein superbes Album. Im weiteren Verlauf variiert die Band innerhalb des selbst auferlegten Genres wunderbar und schreddert dabei auch mal in die Death-Metal-Nische. So wird das Gaspedal im keifenden 'Warmonger' bis zum Anschlag durchgetreten, ohne dass man dabei allerdings in für mich schlecht eträgliche Blastbeats abdriften würde. Obendrein ist die Band klug genug, hier einen wundervollen Moment der akustischen Entspannung einzuflechten, so dass die ollen Lauscher ganz problemlos durch diese Nummer hindurch finden. Auch die tiefer gelegten Vocals von Fronter Matty im basslastigen 'Freakshow' pusten dem Hörer fröhlich die Gehörgänge frei. Dabei gibt es im Hintergrund einen fetten Saitenangriff der Sonderklasse.

Wer auf schwungvollen Arschtritt-Thrash mit leichter KREATOR-Schlagseite steht, wird mit dem exzellenten 'A Hell Worth Living In' bestens versorgt, in welchem vor allem die Gitarrenarbeit völlig begeistern kann. Außerdem ist das achtminütige 'Wall Of Glass' als besonderes Schmankerl zu nennen. Hier verschmelzen alle Facetten des farbenfrohen Thrashfeuerwerkes zu einem großartigen Songgebilde, in welchem auch die gesangliche Leistung erneut herausragt. Die teils zeitgemäßen Elemente fügen sich wunderbar in das Gesamtbild und die immer wieder gekonnt eingebauten Melodien lassen diesen Song zu einem absoluten Hit werden. Wer bei so einer Nummer noch von generischem Thrash faselt, hat irgendein Horchproblem, denn wer so gekonnt Parallelen aus DEATHs 'Spirit Crusher' mit Bay-Area-Riffs in Einklang bringen kann, hat ganz offensichtlich seine Ohren weit offen und ist für Einflüsse aus allen Richtungen zu haben. Alle Daumen hoch!

Das abschließende, schlüssig 'End All Life' betitelte, Granatenstück bietet dann 'Mandatory Suicide'-Sprachsamples und ein wundervolles Ende. Goodbye.

Freunde von abwechslungsreichem Thrash, der obendrein auch noch exzellent produziert ist, müssen hier dringend zuerst ein paar Ohren und dann zwangsläufig auch ein paar Euronen investieren. Geht dazu einfach hier hin und erfreut Euch an LOST WORLD ORDER.

Note: 8.50
Redakteur: Holger Andrae

Mag: Powermetal

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